Wenn in Riccione die Sommernächte beginnen, füllen sich normalerweise die Strandpromenaden und Bars der beliebten Adriaküste. In der vergangenen Woche stand die italienische Küstenstadt jedoch ganz im Zeichen des Judosports: Rund 1.500 Nachwuchsathleten aus mehr als 20 Nationen kamen in der Play Hall zu einem internationalen Trainingslager zusammen. Mitten unter ihnen: eine zwölfköpfige Delegation des Judo-Club Herrenberg.

Die Reise nach Italien war dabei alles andere als ein gewöhnlicher Vereinsausflug. Nach der erfolgreichen Qualifikation für den Deutschen Vereinspokal im vergangenen Jahr setzte das Trainerteam des JC Herrenberg einen weiteren Baustein in der Nachwuchsförderung und ermöglichte seinen jungen Athleten die Teilnahme an einem der größten internationalen Judocamps Europas.
Statt Schulalltag warteten für die jungen Herrenberger intensive Trainingstage mit einem straffen Programm. Die Gruppe war in zwei Altersklassen aufgeteilt, die täglich jeweils zwei Einheiten absolvierten. Die jüngeren u18-Jahrgänge profitierten dabei von echter Weltklasse auf der Matte: Der amtierende Olympiasieger sowie Welt- und Europameister Zelym Kotsoiev aus Aserbaidschan vermittelte seine Spezialtechniken und gab Einblicke in moderne Wettkampfstrategien. Besonders aufmerksam verfolgten die Nachwuchssportler die Demonstration eines Yoko-Wakare – einer eher selten im Wettkampf eingesetzten Wurftechnik, mit der zuletzt jedoch mehrere Athleten aus dem Kaukasus auf höchstem internationalem Niveau erfolgreich waren.


Neben Kotsoiev standen weitere Größen des internationalen Judosports auf der Matte, darunter Olympiasiegerin und Weltmeisterin Alice Bellandi aus Italien. Die Herrenberger saugten die Tipps der Weltklasseathleten förmlich auf und setzten das Gelernte direkt in den anschließenden Übungskämpfen, den sogenannten Randoris, gegen die internationalen Trainingspartner um.
Für die älteren Jahrgänge stand ebenfalls das intensive Wettkampfgeschehen im Mittelpunkt, allerdings mit einem anderen Schwerpunkt. Da sie bereits über ein gefestigteres individuelles Kampfprofil verfügen, bestand das Training ausschließlich aus Randoris, in denen die eigenen Techniken unter realistischen Wettkampbedingungen überprüft und weiterentwickelt werden konnten. Als Trainingspartner standen neben der deutschen U18-Nationalmannschaft auch die U18-Nationalteams aus der Schweiz, Polen, Großbritannien und Italien bereit. Ergänzt wurde das Feld durch zahlreiche weitere internationale sowie regionale Teilnehmende, sodass durchgehend Trainingssituationen für jedes Leistungsniveau entstanden.
Doch nicht nur sportlich hinterließ die Woche bleibende Eindrücke. Auch abseits der Matte wuchs die Gruppe weiter zusammen. Ein Ausflug in die historische Altstadt von San Marino gehörte ebenso zum Programm wie gemeinsame Abende am Strand bei Spikeball und Volleyball. Für besondere Unterhaltung sorgte ein spontanes Kräftemessen der Herrenberger mit anderen Kampfsportlern aus der Region, das sich am öffentlichen Strand entwickelte und schnell zahlreiche Zuschauer anzog.
„Neben den sportlichen Fortschritten nehmen die Jugendlichen vor allem Erfahrungen mit, die sie persönlich prägen. Solche gemeinsamen Erlebnisse stärken den Zusammenhalt und schaffen Erinnerungen, die lange bleiben“, hebt Trainer Henrik Riester den pädagogischen Mehrwert des Trainingslagers hervor.
Den stimmungsvollen Abschluss bildete die große Beach-Party am Samstagabend, bei der alle Judoka gemeinsam das Ende intensiver Trainingstage feierten. Noch einmal wurden Kontakte geknüpft, Erinnerungsfotos gemacht und Erfahrungen ausgetauscht, bevor die Mannschaft aus dem Gäu am Sonntag die Heimreise antrat.
Mit zahlreichen neuen Eindrücken, wertvollen sportlichen Erkenntnissen und gestärktem Teamgeist kehrten die Herrenberger schließlich zurück und dürften damit bestens für die kommenden Herausforderungen gerüstet sein. Die nächste wartet bereits Anfang Juli vor der Haustür: das Internationale Glaspalast-Turnier in Sindelfingen.

Das Team des JC Herrenberg: Hinten v.l.: Trainer Henrik Riester, Andrii Svyrydenko, Illia Protsenko, Fedir Chekh, Matthias Bergstreiser, Taru Papkci Vorne v.l.: Trainer Jonas Baumgart, Mia Widlwoski, Henry Wais, Benjamin Krischke, Finn Reiss, Jugendleiter Lukas Bohnet






