Internationale Konkurrenz, spannende Duelle und gleich mehrere Medaillen im Gepäck: Für die Nachwuchsjudoka des Judo-Clubs Herrenberg hat sich die Reise an den Bodensee gelohnt. Das traditionsreiche Turnier lockte an diesem Wochenende zahlreiche Nachwuchstalente aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Vorarlberg. Mittendrin: Sieben Herrenberger Judoka, die in den Altersklassen U15 und U18 auf Medaillenjagd gingen.
Den Anfang machten die u15-Kämpfer. Für Leo Reiss, den jüngsten Herrenberger im Teilnehmerfeld, begann das Turnier vielversprechend. Seinen Auftaktkampf entschied er für sich, musste sich anschließend jedoch geschlagen geben und schied vorzeitig aus. Mehr Grund zum Jubeln hatte Benaiah Weiss. Nach einem langen und kräftezehrenden Wettkampftag durfte er sich schließlich die Bronzemedaille umhängen lassen.
Für den sportlichen Höhepunkt in der U15 sorgte Finn Reiss. Bereits in seinem ersten Kampf machte der Herrenberger unmissverständlich klar, dass er an diesem Tag ganz vorne mitmischen wollte. Nur wenige Sekunden nach Kampfbeginn erwischte er seinen Kontrahenten mit einem blitzsauberen Hüftfeger und beförderte ihn so kontrolliert auf den Rücken, dass die Kampfrichter umgehend die höchste Wertung vergaben: Ippon – der vorzeitige Sieg. Auch in den folgenden Begegnungen ließ Finn nichts anbrennen. Mit präzise angesetzten Fußfegern räumte er einen Konkurrenten nach dem anderen aus dem Weg und marschierte unaufhaltsam ins Finale. Dort blieb er seiner Linie treu: Noch ehe die erste halbe Minute verstrichen war, hatte er auch seinen letzten Gegner vorzeitig bezwungen. Ein souveräner Auftritt, der mit dem Titel des Bodensee-Meisters belohnt wurde.
Doch nicht nur die U15 wusste in Bregenz zu überzeugen; auch die U18 hatte einiges zu bieten. Für Evin Canpolat stand bei seiner ersten Turnierteilnahme zunächst das Sammeln von Wettkampferfahrung im Vordergrund. Deutlich höhere Ambitionen hegten dagegen die beiden Mittelgewichte Andrii Svyrydenko und Fedir Chekh. Dass die beiden Vereinskameraden in derselben Gewichtsklasse antreten, hatte ihnen bereits in der Vergangenheit so manches vereinsinterne Duell auf fremden Matten beschert. In Bregenz meinte es die Auslosung allerdings nicht sonderlich gut mit den Herrenbergern: Gleich zum Auftakt standen sich die beiden gegenüber. Fedir behielt die Oberhand und schickte Andrii damit frühzeitig in die Trostrunde. Für Andrii war das jedoch keineswegs das Ende seiner Medaillenhoffnungen. Im Gegenteil: Der Herrenberger kämpfte sich eindrucksvoll zurück, ließ in der Trostrunde keinen weiteren Sieg aus und belohnte seine Aufholjagd schließlich mit Bronze. Auch Fedir setzte seinen erfolgreichen Turnierverlauf fort. Erst im Finale fand sein Siegeszug ein Ende. Mit der Silbermedaille durfte aber auch er zufrieden die Heimreise antreten.
Eine Gewichtsklasse darunter sorgte Illia Protsenko für den zweiten Herrenberger Titelgewinn. Sein Erfolgsrezept war ebenso konsequent wie wirkungsvoll: Mit dominanter Griffarbeit verschaffte sich Illia zunächst die Kontrolle über seinen Gegner, ehe er mit konsequent angesetzten Selbstfalltechniken, insbesondere Sumi-gaeshi, zum Angriff überging. Reichte die Wertung nicht zum vorzeitigen Sieg, setzte er im Boden nach. Hier waren es vor allem Würgetechniken, mit denen er seine Gegner zur Aufgabe zwang. „Am Ende habe ich einfach jeden Kampf am Boden gewonnen“, fasste Illia seine Erfolgsstrategie mit einem Schmunzeln zusammen. Tatsächlich ging sein Konzept Duell für Duell auf. Auch im Finale fand sein Gegner kein Mittel gegen die Kombination aus dominantem Kumi-kata, konsequenten Selbstfalltechniken und starkem Bodenkampf. Der verdiente Lohn: Gold und der Titel des Bodensee-Meisters in der U18.
Mit insgesamt fünf Medaillen, darunter zweimal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze, fällt die Bilanz des Judo-Clubs Herrenberg ausgesprochen erfreulich aus. Lange ausruhen dürfen sich die erfolgreichen Nachwuchskämpfer allerdings nicht. Bereits in zwei Wochen wartet mit dem württembergischen Kappelbergturnier die letzte Bewährungsprobe in diesem Jahr. Dort gilt es, die starken Leistungen von Bregenz zu bestätigen, bevor für einige Herrenberger zum Jahreswechsel ein neuer Abschnitt beginnt: Finn und Benaiah werden sich künftig in der U18 beweisen müssen, Illia, Andrii und Fedir rücken in die U21 auf. Dass die Jungs für diese nächste Herausforderung bestens gerüstet sind, haben sie am Bodensee jedenfalls eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

v.l. Illia Protsenko, Andrii Svyrydenko, Fedir Chelh, Benaiah Weiss, Leo Reiss (vorne), Evon Canpolat, Finn Reiss
